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Großziethen
- Über
50 Gemälde und Grafiken stellt der mongolische Künstler
Namchalzerengijn Santschir im kommenden Herbst in der Galerie"EinStein" in
Großziehten aus. Die Vorabsprache über die Exposition
ist Mitte Januar von Galeristin Monika Krüger, Amtsdirektor
Dr. Udo Haase und dem Maler getroffen worden.
Wer ist Namchalzerengijn Santschir?
Nachdem der 51jährige auf dem Flughafen Schönefeld
sein Gepäck, darunter 25 Kilogramm Papier und 12 Kilogramm
Farbe, eingecheckt hatte, gab er Auskunft.
Der Wunsch, eine Künstlerlaufbahn
einzuschlagen, sei schon beizeiten aufgekeimt, erzählt er.
Nach der Oberschule lernte der Sohn eines Volkskünstlers
zunächstan einer Schule für Kunsthandwerk und Design
in Radiste/Mahren, das heute an der Grenze zwischen Tschechien
und der Slowakei liegt. Sein Erstlingswerk entstand fünf
Jahre später und ist heute noch zu sehen: ein Glasmosaik
im Restaurant "Tujaa" (heute "Seoul") des
Jugendparks von Ulanbator. Es folgten weitere Mosaiken für öffentliche
und Industriegebäude sowie deren künstlerische Ausgestaltung.
Als junge Mongolen, unter ihnen Santschir, 1988 erstmals abstrakte
Kunst zeigten, kam es zum "großen Skandal',' erinnert
er sich. "Die Herren vom Ministerrat und ZK der Partei meinten,
abstrakte Kunst stamme aus dem Westen, und wir sollten damit
gefälligst Schluß machen." Einige Künstler
seien damals verleumdet, andere gar bestraft worden.
Ab 1971 studierte Santschir Monumentalmalerei
bei Professor Mylnikow an der Repin-Akademie in Leningrad. Seine
1977 abgelieferte Diplomarbeite "Die Völker tanzen" bekamen
die Kunstideologen der lokalen Kommunistischen Partei der Sowjetunion
in den falschen Hals:"Die Mongolin und der Russe tanzten
in verschiedene Richtungen, sie zu den Asiaten und er zu den
Europäern', erzählte er. Ungeachtet dessen stellte
ihm die Akademie Bestnoten aus. Santschirs größte
Arbeit - zwölf tonnenschwere Figuren - stehen rund um das
Kulturhaus der jungen Bergarbeiterstadt Baganuur. Seine Gemälde
gehören zu den Exponaten aller Ausstellungen, welche die
Mongolei ins Ausland schickte - nach Moskau, Berlin, Prag, Hanoi,
Vientiane, Managua, Havanna, Addis Abeba.
1989, mit der sowjetischen Perestroika
im Rücken und unmittelbar vor dem gewaltlosen Abgang des
Sozialismus, hatte der Künstler seine erste eigene Ausstellung."An
den Reaktionen vieler Besucher merkte ich, daß sie mit
Wohlwollen Gemälde und Grafiken betrachteten, denen man
des sozialistische Strickmuster nicht mehr ansah."
Zugang zum westlichen Kunstgeschehen
erhielten Santschir und andere mongolische Künstler nach
1990, als sich das Land öffnete. "Da kamen zu mir unter
anderem Kenner aus Deutschland, den USA, Holland, Japan und Südkorea."
Das habe ihm 1994 eine eigene Ausstellung
in Seoul eingebracht. Wichtige Kontakte habe er auch geknüpft,
nachdem ihm das Außenministerium beauftragt hatte, die
Vertretung seines Landes in Tokio, New York und Washington künstlerisch
neu zu gestalten. Mit einem Preis der Soros-Foundation bedacht,
konnte er anderthalb Monate im Art Center des USA Staates Vermont
arbeiten.
1997 schließlich stellte Santschir
in Karlsruhe aus. Nach seinen Motiven befragt, sagte er: "Die
Mongolei selber, das Leben der letzten zivilisierten Nomaden,
fast unberührte, saubere Natur." Von solchen Arbeiten
seien Besucher in den hochindustrialisierten USA und in Südkorea
stark beeindruckt gewesen. Auch in Großziethen und Umgebung
können die Kunstliebhaber auf seine Gemälde und Grafiken
gespannt sein.
Hugo Kröpelin |
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