Galerie EinStein

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Mongolischer Maler kommt in die Großziethener Galerie
März 1999
Schönefelder Amtsanzeiger
     
 

Großziethen - Über 50 Gemälde und Grafiken stellt der mongolische Künstler Namchalzerengijn Santschir im kommenden Herbst in der Galerie"EinStein" in Großziehten aus. Die Vorabsprache über die Exposition ist Mitte Januar von Galeristin Monika Krüger, Amtsdirektor Dr. Udo Haase und dem Maler getroffen worden.

Wer ist Namchalzerengijn Santschir? Nachdem der 51jährige auf dem Flughafen Schönefeld sein Gepäck, darunter 25 Kilogramm Papier und 12 Kilogramm Farbe, eingecheckt hatte, gab er Auskunft.

Der Wunsch, eine Künstlerlaufbahn einzuschlagen, sei schon beizeiten aufgekeimt, erzählt er. Nach der Oberschule lernte der Sohn eines Volkskünstlers zunächstan einer Schule für Kunsthandwerk und Design in Radiste/Mahren, das heute an der Grenze zwischen Tschechien und der Slowakei liegt. Sein Erstlingswerk entstand fünf Jahre später und ist heute noch zu sehen: ein Glasmosaik im Restaurant "Tujaa" (heute "Seoul") des Jugendparks von Ulanbator. Es folgten weitere Mosaiken für öffentliche und Industriegebäude sowie deren künstlerische Ausgestaltung. Als junge Mongolen, unter ihnen Santschir, 1988 erstmals abstrakte Kunst zeigten, kam es zum "großen Skandal',' erinnert er sich. "Die Herren vom Ministerrat und ZK der Partei meinten, abstrakte Kunst stamme aus dem Westen, und wir sollten damit gefälligst Schluß machen." Einige Künstler seien damals verleumdet, andere gar bestraft worden.

Ab 1971 studierte Santschir Monumentalmalerei bei Professor Mylnikow an der Repin-Akademie in Leningrad. Seine 1977 abgelieferte Diplomarbeite "Die Völker tanzen" bekamen die Kunstideologen der lokalen Kommunistischen Partei der Sowjetunion in den falschen Hals:"Die Mongolin und der Russe tanzten in verschiedene Richtungen, sie zu den Asiaten und er zu den Europäern', erzählte er. Ungeachtet dessen stellte ihm die Akademie Bestnoten aus. Santschirs größte Arbeit - zwölf tonnenschwere Figuren - stehen rund um das Kulturhaus der jungen Bergarbeiterstadt Baganuur. Seine Gemälde gehören zu den Exponaten aller Ausstellungen, welche die Mongolei ins Ausland schickte - nach Moskau, Berlin, Prag, Hanoi, Vientiane, Managua, Havanna, Addis Abeba.

1989, mit der sowjetischen Perestroika im Rücken und unmittelbar vor dem gewaltlosen Abgang des Sozialismus, hatte der Künstler seine erste eigene Ausstellung."An den Reaktionen vieler Besucher merkte ich, daß sie mit Wohlwollen Gemälde und Grafiken betrachteten, denen man des sozialistische Strickmuster nicht mehr ansah."

Zugang zum westlichen Kunstgeschehen erhielten Santschir und andere mongolische Künstler nach 1990, als sich das Land öffnete. "Da kamen zu mir unter anderem Kenner aus Deutschland, den USA, Holland, Japan und Südkorea."

Das habe ihm 1994 eine eigene Ausstellung in Seoul eingebracht. Wichtige Kontakte habe er auch geknüpft, nachdem ihm das Außenministerium beauftragt hatte, die Vertretung seines Landes in Tokio, New York und Washington künstlerisch neu zu gestalten. Mit einem Preis der Soros-Foundation bedacht, konnte er anderthalb Monate im Art Center des USA Staates Vermont arbeiten.

1997 schließlich stellte Santschir in Karlsruhe aus. Nach seinen Motiven befragt, sagte er: "Die Mongolei selber, das Leben der letzten zivilisierten Nomaden, fast unberührte, saubere Natur." Von solchen Arbeiten seien Besucher in den hochindustrialisierten USA und in Südkorea stark beeindruckt gewesen. Auch in Großziethen und Umgebung können die Kunstliebhaber auf seine Gemälde und Grafiken gespannt sein.
Hugo Kröpelin



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