Großziethen.
Die Galerie EinStein darf sich
laut Richterspruch weiter "EinStein" nennen.
Wäre auch schade um den Sinn des großen einen Steins
vor dem Haus gewesen. Mehr aber noch um den Ruf, den sich die
Galerie inzwischen in der Kunstwelt erarbeitet hat. Dem wurde
sie am Sonnabend wieder einmal auf das Beste gerecht.Nach der
Eröffnung einer Ausstellung des Malers und Grafikers Andreas
Noßmann vor einer Woche hieß es nun " Blutverteilung
im Gang ". Dafür sorgten makaber schön Harald
Effenberg als Sprecher sowie Matthias Haring mit Trompete. Komposition,
Arrangement und Fred Stern auf dem Bass. Lyrik und Jazz vom Feinsten.
Ganzer Zoll: Ein Schau-Spieler
So ganz wohl kann der
Galeristin dabei nicht gewesen sein, obwohl sie sich selbst mit
einer solchen Veranstaltung einen lang gehegten Wunsch erfüllt
hat. Recht hatte sie. Da waberte das Blut nur so durch den Raum,
quollen Eingeweide aus nackten Körpern, wurde Lebendes und
Totes zur Schau gestellt.Keine Sorge. Es handelt sich nicht um
ein zum Schlachthaus umfunktioniertes Gemäuer.
Die Gedichte waren Teile
der musikalischen Arrangements. Ihr Rhythmus bestimmt die Rhythmen
der Musik. Entsprechend waren sie ausgewählt. Natürlich
hatten Trompeter und Bassist auch ihre Soli. Und jeder Anhänger
von Jazzmusik hatte hier auch seine Genugtuung. Es war keine Zufall
und doch schien es so, das die Grafiken von Andreas Nossmann stimmig
für dieses Programm ausgewählt worden waren. Da war der
Invalide mit dem Holzpflock als Bein, die "Nervensäge" -
ein durch die Luft geschleuderter Mann -, aber auch der rasende
Dirigent oder der von Leidenschaft angetriebene Geiger.
Harald Effenberg sprach,
spielte vor allem Gedichte von Gottfried Benn, aber auch Erich
Kästner und Charles Baudelaire. Benns "Fleisch" hat
er sich krümmend hinausgeschrien, das einem das Mark in den
Gebeinen gefror. Er schmunzelte ins Auditorium hinein, blinzelte
diesen oder jenen an - ganzer Zoll ein Schau-Spieler. Sie nannten
es "eine neue Konfrontation der bieden Medien Sprache und
Musik auf vollkommen gleichberechtigter Ebene."
Figuren auf alten Papier
Gegensätzliches, gar widersinniges
spricht aus dem Bildern, der teilweise auf Papier aus uralten Akten
entstanden sind, "weil darauf nichts verläuft;" wie
Nossmann sagt. So ist die Schrift auf Grundbuchauszügen noch
zu sehen. Die Figuren sind in Bewegung, durchdrungen von plötzlichen
Einfällen, viele lassen Boshaftigkeit durchblicken. Irgenwie
erinnern sie an Glasbrenner, zumindest an seine Zeit. Die Töne
sind verklungen, die Gedichte noch nachzulesen. Nossmanns Bilder
kann man noch bis zum 31. Juli in der Galerie EinStein in Großziethen,
Schillerstrasse 5, auch kaufen.
Elfriede Steyer |