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Großziethen
- Ein volles
Haus in der Galerie EinStein am Freitagabend. Anziehungspunkt
waren Fotos des weitgereisten, mehrfach preisgekrönten Fotoreporters
Harald Schmitt. 110 Länder hat er bereist, Momente festgehalten
und hinter die Kulissen geblickt.Was dabei herauskam, ist in
vielen Titelgeschichten und Serien des "Stern" erschienen.
Eine verhältnismäßig kleine Auswahl ist nun unter dem Titel "Mit
offenen Augen"- Fotos mit unüblichem Blick" bei Monika Krüger
zu sehen. Da wären die so ganz unüblichen Sportbilder zu nennen. Jan
Ullrich nicht als der strahlende Mann im gelben Trikot, sondern erschöpft,
ausgepumpt, wie er sich noch im Auto nach seinem furiosen Etappensieg in Andorra
im Juli 1997 den Schweiß aus dem Gesicht wischt. "Schumi" von
seiner Braut umarmt.
Schmitt hat viele Wettkämpfe, Siege und Niederlagen
festgehalten, denn seine angestrebte Laufbahn begann als Sportreporter. Immer
wollte er zum Stern - "wie viele in den 60er Jahren", erzählte
er. Dieses Ziel zu erreichen, scheute er keine, auch nicht die geringste Stufe.
Fotograf für Pass-, Baby-, Hochzeitsbilder lernte der 1948 Geborene. Die "Trierer
Landeszeitung" brauchte keinen Fotografen, aber einen Laborgehilfen. Auch
diese Tätigkeit übte Schmitt aus. Aber "es hat mich immer in die
Welt gezogen", und der Vater, ein Barkeeper, meinte: "Junge, du musst
was machen, wo du rumkommst." Sven Simon nahm ihn dann in seiner Agentur
unter Vertrag. Zwei Jahre in Bonn folgten, weil er einsatzbereit, belastbar und
einer war, "der mit Messer und Gabel essen konnte". Dann brach er aus,
nach Nizza. "Ein Fehler", sagte Simon, aber "es ist das Recht
der Jugend, Fehler zu machen". Ein Jahr später war er zurück,
Simon, der väterliche Freund, nahm ihn wieder auf.
1977 fragte der "Stern" ihn - nicht umgekehrt! - ob er dort anfangen
wolle. Ein Nachfolger von Thomas Höpcke für den "Auslandseinsatz" in
der DDR wurde gebraucht. Bis 1982 war er in Berlin akkreditiert. Zwei Jahre zuvor
hatte er Anette, die Restaurateurin im Märkischen Museum, zu fotografieren.
1982 haben sie geheiratet. Wer sie an diesem Abend in Großziethen sah,
versteht das.
In diesen Jahren begleitete er mehrmals Erich Honecker, auch in Sambia und
Japan. "Er
war viel lockerer, als die Presse ihn immer dargestellt hat" , fand Harald
Schmitt. Dennoch wurde sein Aufenthalt nicht verlängert, als er für
den "Stern" jenen mysteriösen Attentat nachgegangen war, das ein
Dachdecker auf Honecker verübt haben sollte
Mit dem Auslandsredakteur Dr. Tilman Müller war er dreimal in der Mongolei.Das
Ergebnis, Fotos von Steppenbewohnern, Hirten, Reitern und Begegnungen mit Wölfen,
aber auch der Miss Mongolia, der Schönheitskönigin des Landes im Aufbruch,
sind auf einer Wand der Galerie anzuschauen. Man sieht Bilder, in denen ganze
Geschichten stecken.
Neben Dokumentarischem und auch Verneigung vor Schönheit (Tänzerinnen
in Vietnam) zeigt Harald Schmitt soziales Engagement mit Gefühl. Zum Beispiel
bei dem Abschied des Sozialarbeiters Olaf Straberg von einem dioxingeschädigten
Kind, das in Deutschland auf Kosten des Kinderfriedensdorfs aus Oberhausen operiert
worden war. Schmitt, der jedem Reporterklischee entgegensteht- ein freundlicher,
offenherziger Mann- sagte: "Ich will die Welt nicht verbessern, sondern
transparenter machen." Elfriede Steyer
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